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Presse Updated: May 4th, 2005 - 12:28:39


Gesundheitszentren kommen - Krankenhäuser schliessen

Etwa 25 Prozent der Krankenhäuser werden bis zum Jahr 2020 verschwinden. Von den etwa 2000 Krankenhäusern* werden nur circa 1.500 Einrichtungen überleben.

Die übrigen werden ihr Geschäft entweder aufgeben oder sich zu größeren, konkurrenzfähigen Netzwerken zusammenschließen. Private Gesundheitszentren werden entstehen, deren viel versprechende Renditen Investoren auf den zukünftigen Wachstumsmarkt Gesundheit locken werden. Das sind wesentliche Ergebnisse der aktuellen Studie"Konzentriert. Marktorientiert. Saniert.

Gesundheitsversorgung 2020“, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young heute in Berlin vorgestellt hat. Die Studie, die mit Hilfe der wissenschaftlich fundierten Szenariotechnik erstellt wurde, will eine Orientierungshilfe in der derzeit verwirrenden Diskussion über die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens bieten. Sie ist frei von politischem Kalkül und wurde von Experten aus Wirtschaft und Gesundheitswesen entwickelt.

Den meisten öffentlich-rechtlichen Einrichtungen droht das Aus

Dank des technologischen und medizinischen Fortschritts und auf grund zunehmender Effizienz wird die durchschnittliche Verweildauer der Patienten im Krankenhaus von 11,9 Tagen2 auf 6,2 Tage im Jahr 2020 sinken. Knappe öffentliche Kassen, die eine anhaltende Subventionierung der Krankenhäuser durch die öffentliche Hand unmöglich machen, werden den wirtschaftlichen Druck auf die Krankenhäuser erhöhen. Besonders hart wird es viele der öffentlich-rechtlichen Einrichtungen treffen: Aufgrund der vielfach mangelnden technologischen Ausstattung, begrenzt vorhandener Innovationsbereitschaft und -fähigkeit sowie der oft weit unterdurchschnittlichen Wirtschaftlichkeit werden zwei von drei Häusern ihre Pforten schließen müssen oder in private Hände übergehen. Ihre Zahl wird von 7233 auf etwa 225 sinken - ein Rückgang um fast 70 Prozent. Hingegen wird die Zahl privater Krankenhäuser von 4684 auf 675 steigen - ein Anstieg um 44 Prozent.

"Der Zwang zum kostendeckenden Wirtschaften wird bei den Krankenhäusern dramatisch zunehmen. Viele der oft kleinen und wenig effizienten öffentlichen Krankenhäuser werden dem Kostendruck und der wachsenden privaten Konkurrenz nicht standhalten können“, erwartet Stefan Viering, Partner bei Ernst & Young und Leiter des Bereiches Health Care. Im Zuge dieses Konsolidierungsprozesses wird die Anzahl der Betten je 100.000 Einwohner von derzeit 6365 auf 293 schrumpfen – ein Rückgang von knapp 54 Prozent.

Weniger Staat – mehr Markt: stärkere finanzielle Beteiligung der Patienten

Der Staat wird sich in den kommenden Jahren weiter aus der Gesundheitsversorgung zurückziehen und langfristig nur noch den Rahmen vorgeben, innerhalb dessen ein weitgehend marktwirtschaftlich organisiertes Gesundheitssystem entsteht. Grundlegende Veränderungen im Rahmen der Krankenversicherung werden zu einem immensen Anstieg der finanziellen Beteiligung des Einzelnen führen. So wird der Anteil der privaten Haushalte an den Gesundheitskosten von aktuell ca. zwölf Prozent auf rund 30 Prozent steigen. "In Zukunft wird nur noch eine Grundversorgung durch die Krankenversicherung abgedeckt sein,“ erwartet Rudolf Böhlke, Senior Manager und Branchenexperte bei Ernst & Young. "Alle darüber hinausgehenden Leistungen werden mit individuellen Policen, die sich an Alter, Geschlecht und Lebensverhältnissen orientieren, abgedeckt werden.“

Krankenhäuser werden zu Gesundheits- und Wellness-Zentren

Die heutigen Krankenhäuser werden in den kommenden Jahren vernetzte Einheiten bilden, die einerseits aus den einzelnen Abteilungen des traditionellen Krankenhauses und andererseits aus ambulanten und weiteren gesundheitlichen Dienstleistungsbereichen entstehen.

Diese Unternehmen, die Autoren nennen sie 360°-Anbieter, bieten dem Kunden unter einem Dach beziehungsweise unter einer Marke von der ambulanten über die stationäre bis hin zur präventiven Versorgung ein komplettes Gesundheits- und Wellnesspaket an.

Die größten dieser Unternehmen werden renditestarke und erfolgreiche Aktiengesellschaften sein. "Aus Institutionen und Anstalten werden in den kommenden Jahren Gesundheitszentren, die mehr einem Hotel als den herkömmlichen Krankenhäusern gleichen“, prognostiziert Nils Söhnle, Partner bei Ernst & Young und Leiter des Bereiches Health Care. "Die Grenzen zwischen Medizin und Lifestyle werden verwischen.“

Wachstumsmarkt Gesundheit

Die Ausgaben für die gesundheitliche Versorgung ohne die Berücksichtigung der Ausgaben für Fitness, Wellness und Wohlbehagen werden bis zum Jahr 2020 von heute 234,2 Mrd. Euro auf ca. 500 Milliarden Euro wachsen. "Der Gesundheitsmarkt wird sich zu einem gigantischen Wachstumsmarkt entwickeln. Die Patienten werden zu Kunden, die für ihre erheblichen finanziellen Aufwendungen entsprechend hochqualitative Dienstleistungen erwarten“, so Söhnle.

Die demographische Entwicklung und die steigende Lebenserwartung sorgen für ein kontinuierliches Wachstum des Bedarfs. Technologische Innovationen im Bereich der Diagnostik werden es ermöglichen, Krankheiten früher zu erkennen und therapierbar zu machen. In den kommenden Jahren werden so neue Krankheitsbilder entdeckt und manchmal auch zu einem Markt gemacht werden können. Zudem lässt die fortgesetzte Zersplitterung familiärer Strukturen die Nachfrage nach ambulanten und stationären Pflegedienstleistungen weiter zunehmen.

*Zahl für das Jahr 2001 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft: Zahlen, Daten, Fakten 2003 2Zahl für das Jahr 2000 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Quelle: World Health Organization (2004): HFA Database 3Zahl für das Jahr 2001 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft: Zahlen, Daten, Fakten 2003 4Siehe Fußnote 3 5Zahl für das Jahr 2000 – aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Quelle: World Health Organization (2004): HFA Database – Acute care hospital beds per 100.000.

Angaben zur Studie

Die Studie wurde mittels einer speziellen Szenariotechnik gemeinsam mit Prof. Dr. Horst Geschka, Technische Universität Darmstadt, und weiteren Branchenexperten durchgeführt. Träger und Initiator der Studie ist die Industriegruppe Healthcare, die zum Bereich Public Services bei Ernst & Young gehört. Diese Industriegruppen spiegeln die Strategie von Ernst & Young wider, ihren Kunden Prüfer und Berater mit speziellem Branchen-Know-how zu bieten.




Studie: 24.02.2005 von Ernst & Young (PDF 60 kb)


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Gesundheitszentren kommen - Krankenhäuser schliessen

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